Wir sind überzeugt, dass Schulentwicklung in der Digitalität als langfristiger Prozess gedacht werden muss. Dabei sollte die Frage im Mittelpunkt stehen: „Welche Zukunft wollen wir?“ Es sollten neue Ideen eingebracht und ausprobiert werden, und möglichst viele Personen der Schulgemeinschaft sollten für den Prozess Verantwortung übernehmen.
Wir glauben, dies gelingt besonders gut, wenn man versucht das Große (z.B. Verfolgen der Vision) im Kleinen erfahrbar zu machen (z.B. reflektierte Nutzung von Lernapps) sowie konkrete Praktiken in den Mittelpunkt rückt. So können auch kleinste Kontexte von Schulpraxis (z.B. Nachmittagsbetreuung; bestimmte Gestaltung eines Raums in der Schule; eine Schüler-AG) „relevant“ werden und die betroffenen Personen am Gesamtprojekt Schulentwicklung in der Digitalität niedrigschwellig partizipieren. Hierfür ist es jedoch wichtig, immer wieder die übergreifende(n) Vision(en) und die Details in der Gestaltung und Nutzung digitaler Technologien zu „matchen“.
Wir sind überzeugt, dass es Schulen enorm hilft, für diese Prozesse mit anderen Schulen in den engen Austausch zu kommen, und sehen hierbei einen besonderen Wert nicht nur in der Vernetzung „ähnlicher“ Schulen, sondern z.B. auch von Schulen unterschiedlicher nationaler Systeme oder kultureller Kontexte. Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass skalierbare „Best Practices“ von einem auf den anderen Schulkontext nur sehr begrenzt geeignet sind, um Schulentwicklung in der Digitalität nachhaltig zu unterstützen. Vielmehr braucht es Ansätze, die durch konkrete Lebendigkeit und auch (kulturelle) Andersartigkeit inspirieren – im Sinne von „So könnte man es tun. Du musst es aber zu Deinem machen.“

Graphic Recording vom Kennenlernen beim ersten Schul-Workshop (18./19.09.2025).
Leefje Roy (https://leefje.de/home/)
Unsere Prinzipien
Schulentwicklung findet heute im Kontext der Kultur der Digitalität statt.
- Analoges und Digitales verweben miteinander.
- Wissenshierarchien werden in Frage gestellt.
- Wissensproduktion findet kollektiv statt.
- Die Abhängigkeit und Präsenz von datafizierten/algorithisierten Infrastrukturen wächst.
- Die Relevanz von Globalisierungseffekten nimmt zu.
Dabei streben wir eine kritische und partizipative Gestaltung von Schule in der Digitalität an.
- Das Erlernen von neuen Partizipationsformen.
- Das Bewusstsein für politische Zusammenhänge schärfen; soziale und globale Ungleichheit; Ökologische Zusammenhänge; Effekte von Technologiedesigns.
- Dilemmata und widersprüchliche Lagen produktiv nutzen.
- Das große Ganze im Kleinen sichtbar machen.
Technologiedesigns sind nie neutral.
- In jede Technologie fliessen bereits im Laufe der Entwicklung bestimmte Werte und Verständnisse (über Bildung) in die Programmierung mit ein.
- Diese Werte und Verständnisse (über Bildung) wirken sich auf den Kontext aus, in dem sie genutzt werden.
- Schulentwicklung in der Digitalität erfordert eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen Einschreibungen sowie eine dezidierte Gestaltung von Technologien.
Protopraktiken
Die geplante Plattform beinhaltet vier “Angebote” sogenannte Protopraktiken zu Unterrichts-/Schulentwicklungsthemen. Im Gegensatz zu vorgegebenen „Best/Good Practices“ sind Protopraktiken bewusst so angelegt, dass sie einen grossen Spielraum für die Anpassung an den eigenen Schulkontext bieten.
In Tandems testen je zwei Schulen diese Protopraktiken und entwickeln sie weiter.
Was wir unter Protopraktiken verstehen:
- Protopraktiken sind Vorschläge für zukünftige Praktiken, die noch nicht realisiert wurden. Die zukünftigen Praktiken basieren aber auf bestehenden Praktiken.1
- Die zukünftigen Praktiken werden bewusst von und in der Praxis entwickelt. Es ist keine „top-down“ Umsetzung, sondern die Entwicklung findet vor Ort auf der Basis der lokalen Gegebenheiten statt.2
- Pandey, S. 2016. “Proto Design Practice: Translating Design Thinking Practices to Organizational Settings.” ID&A Interaction Design & Architecture (S) 27: 129–158. ↩︎
- Saari, A., & Decuypere, M. (2024). Governing by prototype and proto-practice: topological configurations of future classroom labs. Journal of Education Policy, 39(5), 683–701. https://doi.org/10.1080/02680939.2024.2304567 ↩︎



